Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
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Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
„Annlieschen--Italien!--Land,[27-12] wo die Citronen
blühen[27-13]--dahin laß uns ziehen!“ Wir hatten zwar nichts bei uns
als einen kleinen Reisesack in der Hand zu[27-14] tragen, aber ich
sage: „Es[27-15] kennt uns niemand.“ Also nach Italien! Wir waren in
Mailand [27-16] und Genua.[27-17] Ich sage: „Annlieschen--weißt du,
was da hinten liegt am blauen Meere?“ „Nein,“ sagt sie, „wat[27-18]
soll da liegen?“ „Da liegt Rom--! Rom! Neapel--’s ist ein
Katzensprung--also „Annliese {{avanti}}!“,[27-19] womit der Italiener
so viel meint, als wenn der Deutsche „Vorwärts“ sagt. Und schließlich
standen wir auf dem Vesuv.[27-20] Von dort ging’s[27-21] rasch zurück
über Venedig[27-22] und nun hier herauf nach den Tauern, und da wurden
wir festgeschneestöbert.[27-23]--So, meine Herrschaften, nun wissen
Sie Bescheid, wen Sie vor sich haben.“
„{{Beautiful indeed}},“ sagte der Engländer. „Sie haben großes[27-24]
Mut. Ich sehr lieben Italien.“
Die drei jungen Mädchen waren vor Vergnügen außer sich, also die[28-1]
hatten Italien gesehen, während sie selbst in Venedig umkehren mußten!
Die Frau kam ihnen nun doppelt interessant vor. Sie meinten zwar, man
müßte es den Leuten immer am Gesicht ansehen, wenn sie in Italien
gewesen,[28-2] aber Anneliese sah so rotbackig drein, und ließ es sich
so vortrefflich schmecken, und sie merkten nicht das geringste
Absonderliche. Nur daß der junge Eheherr ein Spaßvogel war, der in
trockenster[28-3] Art mit dem fettesten Pinsel malte, das leuchtete
ihnen ein.
Die Studenten aber ließen die Köpfe hängen. „Ach,“ sagte der zweite
Tenor, „wenn unsereinem so etwas mal[28-4] in dem Garten[28-5] wüchse!
Da lernt man seinen Horatius[28-6] und Virgil im finstern Loch[28-7]
und sieht sein Leben[28-8] nichts davon,[28-9] nicht einmal einen
Italiener, von nahem! {{Beatus ille!“}}[28-10]
Derweilen der Studio so klagte, stimmte der Assessor die Saiten und
fing plötzlich mit schöner, tiefer Stimme das Lied zu singen an:
Kennst[28-11] du das Land, wo die Citronen blüh’n,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glüh’n,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?[28-12]
Dahin! Dahin
Möcht’ ich mit dir, o mein Geliebter zieh’n!
Er sang so schön und herzergreifend, daß alles[28-13] stille ward.
„Waren Sie schon in Italien?“ fragte der Engländer.
„Ja, ich war schon da, vor[29-1] Jahren,“ sagte leise und ernst der
Assessor. Er schnitt damit[29-2] aber jedes weitere Gespräch ab. Man
merkte es ihm am Tone an, daß dort etwas von Bedeutung in seinem Leben
geschehen sein mußte, womit er nicht herausrücken wollte.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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