Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
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Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Ich sah Elsa wieder, die Züge waren unverändert, nur die leichte
Röte ihrer Wangen erschreckte mich und der starke Glanz in den
Augen. Sie reichte mir die Hand und sagte: „Sie haben gewiß das
Ständchen mir gebracht.“ Ich wurde rot bis über die Ohren und
gestand. Ich sagte noch mehr; ich sagte, wie ich um sie gelitten
während dieser Zeit und jeden[33-1] Abend stundenlang unten an der
Ecke gestanden, um zu sehen, ob das Licht noch brenne.“
„Ja, ja,“ sagte sie, „ich war selbst ein brennend[33-2] Licht, das
hin-[33-3] und herflackerte zwischen Leben und Tod. Merkwürdig! Ihre
Lebensgeschichte hat mich oft in den[33-4] Fieberphantasieen verfolgt;
ich sprach immer von einem Waisenknaben, der mich gebeten hätte,[33-5]
seine Schwester zu sein. Mutter fragte mich manchmal, wer es denn
sei,[33-6] aber ich kannte Ihren Namen nicht. Ich habe aber von einer
Freundin gehört, die mir erzählte, wie einer von den Sängern jeden Tag
da unten gestanden und hinaufgeschaut. Ich dachte, das ist gewiß der
„Bruder.“
„Es[33-7] flocht sich seit jener Zeit ein inniges Freundschaftsband
zwischen uns. Nach ihrer Genesung zog sie mit der Mutter weit weg,
aber ich durfte mit ihr korrespondieren. Ich lernte nun mit eisernem
Fleiß, um meine Studien[33-8] zu vollenden. Ich war nicht unbemittelt,
und wenn alles gut ging, so konnte ich ihr nach drei Jahren ein Heim
bieten. So arbeitete ich fast über meine Kräfte bei Tag und
Nacht. Mein Trost waren Elsas Briefe. Plötzlich blieben diese aus. Ich
bekam keine Antwort mehr. Auf meine dringenden Bitten an die Mutter
schrieb diese endlich, „der Gesundheitszustand Elsas sei derart,[34-1]
daß sie jede Aufregung vermeiden müsse.“ Das[34-2] warf mich vollends
nieder. Ich war ohnehin schon durch übernächtige Arbeiten erschüttert,
aber das gab mir den letzten Stoß. Wochenlang lag ich zwischen Leben
und Tod. Als ein alter Mensch bin ich vom Bette aufgestanden, da fand
ich zwei Briefe--von der Hand dieses Fräuleins hier, einer nahen
Freundin Elsas, die[34-3] mir Aufschluß gaben. Die Mutter hatte
nämlich ihr und ihres Kindes Vermögen bei einem Bankhause verloren.
In ihrer Not wandte sie sich an einen Onkel Elsas, der eben so alt wie
reich war. Er half auch, aber ließ allmählich seine Absicht auf die
Hand Elsas merken. Als er deutlicher damit hervortrat, wehrte sie sich
aufs[34-4] entschiedenste. Die Mutter sah mit gramvollem[34-5] Herzen
der Sache zu. Vor Elsa stand die Möglichkeit, durch die reiche Heirat
der Mutter zu helfen. Sie liebte mich--aber es deuchte ihr zu lange,
bis ich ihr ein Heim bieten könnte, und überhaupt--ich hatte ja doch
bisher nur wie ein Bruder zu ihr gestanden. Die Mutter hatte dem Onkel
das Geheimnis unserer Liebe unbedacht verraten, und er verbot, als
Bedingung seiner weiteren Hilfe, jedes weitere Korrespondieren mit dem
jungen Manne. Elsa hatte mir dies durch ihre Freundin schreiben lassen
und wartete auf Antwort. Da eben erkrankte ich, und alle meine Briefe
blieben uneröffnet bis zu meiner Genesung.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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