Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
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Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Nach einer Weile fuhr der Assessor fort: „Zwei Tage darauf haben wir
sie unter den Cypressen dort begraben, sie--und mein Leben mit
ihr. Achtzehn Jahre sind darüber hin.[36-4]--Ich habe mich fern vom
Treiben der Menschen still in den bayrischen Wald geflüchtet und über
der Arbeit wohl[36-5] mich, aber nicht meine Elsa vergessen. Der
Aktenstaub hat sich mir übers Herz gelagert, und ich bin nachgerade
beim philisterhaften Junggesellen angelangt. Mir[37-1] ist aber, als
wäre ich heute von einem langen Schlafe und schweren Traume
erwacht. Fräulein Milla, Sie sind schuld, und Sie, meine Herren, mit
ihren Liedern. Wissen Sie, wohin ich möchte?[37-2] Nach Rom zur
Cestiuspyramide; nur eine[37-3] Stunde will ich dort unter den
Cypressen ruhen und dann wieder heim[37-4] zum Landgericht in meine
Klause und zu der alten Lena, die so oft die Pyramide im Bilde
beschaut und mich fragt, ob das auch eine Kirche sei.“--
Der Assessor schwieg. Der treuherzige, zweite Tenor schlang den Arm um
ihn und sagte ihm als Trost ins Ohr: „Ich bin auch ein Waisenkind!“
Fräulein Milla, die „Vorsteherin“, war noch ganz in ihre Gedanken
verloren, die Vergangenheit zog an ihr vorüber. Sie hatte die
Todesnachricht ihrer Freundin von Roberts Hand empfangen, dann aber
nichts mehr gehört, da die Mutter Elsas aus Gram ihre Tochter nicht
lange überlebte.
Das Reden wurde ihr[37-5] offenbar schwer. Zuletzt aber faßte sie sich
und sagte: „Finden Sie keine Ähnlichkeit unter diesen Mädchen mit
Ihrer Elsa? Schauen Sie sie[37-6] einmal[37-7] recht[37-8] an!“
Der Assessor sagte: „Ja, die eine fiel mir schon lange auf, aber ich
traute doch nicht ganz meinem Urteil.“
„Nun ja, sie sind nicht aus der Art geschlagen. Sie wissen, daß Elsa
einen Bruder hatte, der nach dem Tode der Mutter in unserm Hause
erzogen wurde. Er heiratete später meine jüngste Schwester, und
das [37-9] sind ihre Kinder. Sie hielten mich wohl[38-1] alle, meine
Herren, für eine gestrenge Institutsdame! Ich bin es nicht, wir haben
uns nur fremden Leuten gegenüber die Maske auferlegt, um unbelästigt
durchzukommen. Ich bin die Tante der Kinder.“
Jetzt ging auch den Studios ein Licht[38-2] auf, und sie begriffen die
heitere[38-3] „Vorsteherin“. Es war derweilen Mitternacht
geworden. Der Engländer saß tief versunken da. Die Geschichte hatte
ihn wunderbar getroffen, er redete kein Wort mehr, sondern stand auf
und verbeugte sich artig gegen die Damen, schüttelte aber dem Assessor
warm die Hand, als wäre er sein bester Freund. Den Studenten dankte er
für den Gesang und rief seinen James.
„James--du räumst[38-4] unsere Stube aus, daß die Damen da schlafen
können. Wir werden das Stroh suchen.“
Trotz aller Gegenvorstellungen von Seiten Fräulein Millas
blieb’s[38-5] dabei.
Die Eingeborenen hatten schon längst ihr Lager gesucht.
Draußen war’s stille geworden, das Schneetreiben hatte sich gelegt.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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