Eingeschneit: Eine Studentengeschichte — John Shaqi
Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
General
Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Die Studenten schliefen bald den gesunden Jugendschlaf, aber der
Assessor blickte noch lange hinaus in die mondhelle, glänzende Nacht
und über das große Leichentuch, das der Schnee über die Matten und
Bergspitzen geworfen.
* * * * *
Der Tag graute. Die Führer waren früh auf, um dem Wetter nachzuspüren
und den Schnee zu prüfen. Mit einiger Vorsicht konnte man es schon
wagen, weiter zu ziehen. Der Assessor war schon munter und wartete auf
Fräulein Milla, sie hatten sich[39-1] ja noch so viel zu sagen! Milla
erschloß ihr Herz dem vereinsamten Freunde ihrer Elsa, und ihm
war[39-2] es, wie wenn ein lang verhaltener Strom endlich sich Bahn
brechen durfte.
Die Studenten zählten indessen „die Häupter[39-3] ihrer Lieben,“
d. h.[39-4] ihre Gulden und Kreuzer und addierten und subtrahierten
die Zeche. Da trat auch der Engländer herein. Die drei grüßten ihn
freundlich.
„Nun wohin?“[39-5]--fragte er.
„Wohin?--heim, wo wir hergekommen. Wir werden noch ein Konzert
veranstalten, ehe wir diesen Platz verlassen.“
„O nein,“ sagte der Engländer, „Sie sollen nicht heim, Sie sollen
sehen Italien mit mir, wenn Sie wollen, und mir dann und wann ein Lied
singen.“
Die Studenten wußten nicht, wie ihnen geschah.
„Mr. Brown,“ sagte der zweite Tenor, „das ist sehr edel von Ihnen,
aber zu teuer für Sie, denn wir sind allesamt mit einem guten Magen
behaftet.“
„Das ist gerade sehr schön, das liebt Mr. Brown sehr. Ich gehe nach
Oberitalien,[39-6] und Sie begleiten mich, und James und wir werden
viele Freude haben. Topp--eingeschlagen!“[39-7]
Die drei schlugen herzhaft ein. Über das schöne Gesicht des Engländers
zog ein Schimmer der Verklärung. So hatten sie ihn noch nicht gesehen.
Die Führer mahnten zum Aufbruch. Der alte Gemsbart[40-1] nahm das
Ränzel des Assessors.
Der junge Eheherr zog mit seiner Frau und den Damen abwärts der Ebene
zu,[40-2] die andern hinab nach Italien. Man hatte sich gegenseitig
die Namen und Adressen mitgeteilt, und alle schieden, indem[40-3] sie
das Schneetreiben segneten, das sie zusammengeweht. Der Tauernwirt
sandte allen noch einen hellen Juchzer nach, denn Mr. Brown hatte ihm
seinen[40-4] guten Kaiser Franz Joseph[40-5] in Gold als Extrageschenk
zurückgelassen. -- -- --
* * * * *
Der Verfasser könnte nun hier schließen, aber die geneigte Leserin ist
neugierig, und möchte für ihr Leben[40-6] gern wissen, wie das
schließlich noch geendet hat. Darum will er noch ein paar Worte
hinzufügen:
An einem schönen Tag, das Jahr darauf, klopft’s[40-7] am Niederrhein
bei[40-8] dem jungen Eheherrn, als er gerade seinen kleinen Schreihals
herumtrug. „Annlies! {{avanti!}}“ riefen draußen zwei Stimmen. Dem
Eheherrn wird’s[40-9] ganz italienisch zu Mut, und er ruft: „{{Entrate
pure!}}“[40-10]--d. h. „als[40-11] herein!“ Da stehen zwei vor ihm
und schauen ihn an. „Nun--wer sind wir?“ fragen sie.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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