Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
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Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Derweilen sie ausziehen und mit feinem Instinkt die Gassen vermeiden,
in welchen es noch etwas zu zahlen[2-4] gab, ging zu London in
Regentstreet Nr.[2-5] 86 ein großer hagerer Herr, dem man den
Engländer auf tausend Schritt ansah, in seiner Stube auf und ab. Auf
dem Tische lagen der rote Bädeker,[2-6] der auf englisch „{{Murray}}“
heißt, und Landkarten. Er hatte offenbar Reisegedanken. Und niemand
hinderte ihn daran,[2-7] weder sein Weib noch sein Geld. Denn das
erste besaß er nicht, desto mehr aber vom zweiten. Ob ihn am Fuß das
Zipperlein plagte oder im oberen Stockwerke der Spleen, oder ob er um
diese Zeit überhaupt gewohnt war, sich in London unsichtbar zu machen,
das weiß der Verfasser nicht zu sagen.--Er öffnete das Fenster und
schaute hinaus auf die wogende Straße, auf der sich in der lauen
Sommernacht die Leute herumtrieben, klopfte an sein Barometer[2-8] und
sah nach, wie viel Uhr[2-9] es darauf geschlagen,[2-10] und klingelte
zuletzt. Ein alter rotköpfiger Bedienter in herrschaftlichem Kleide
kam herein. „James, wir reisen[2-11] morgen um 10 Uhr. Du wirst[2-12]
die Koffer packen und nichts vergessen. Den Thee habe ich hier, die
Maschine ist dort. Sorge für alles, alter Junge, und für Dich
selbst. Du weckst mich früh um 6,“ so befahl in weichem Tone der Herr
dem Rotkopf.--
„Gehen wir weit?“ fragte dieser den Herrn, „und auf[3-1] wie lange
ungefähr?“
„Nun, James, ein paar Wochen werden uns gut thun. _Wohin_, das weiß
ich selbst noch nicht, wir gehen zuerst nach dem Kontinent, und das
andere findet[3-2] sich.“
„Immer noch der alte,“[3-3] murmelte der Rotkopf, als er draußen
war,--„man weiß nie, wohin es[3-4] geht.“
Am nächsten Morgen fuhren die beiden nach London Bridgestation und
sausten mit dem Zuge nach Dover.[3-5]
* * * * *
Derweilen aber stieg im lieben, deutschen Vaterlande ein Pärchen in
die bekränzte Hochzeitskutsche. Sie kamen vom Hochzeitsaltar und
Hochzeitsessen und hatten sich in der Stille davongemacht. Nur die
Mutter der Braut war mitgegangen und hatte dem Töchterlein das graue
Reisekleid angelegt und es[3-6] mit Thränen gesegnet. Es ist ja
freilich nur _ein_ Schritt aus dem Elternhause in die
Hochzeitskutsche, aber es ist eben nicht ein Schritt wie ein anderer.
Darum schaute ihr die Mutter noch lange nach, bis der Wagen um die
Waldecke bog und ihren[3-7] Blicken entschwand. Die zwei freuten
sich, daß sie endlich ohne Onkel und Tanten waren und fuhren fröhlich
in die Welt hinein zur Eisenbahnstation.
„Nun geht’s[3-8] in die weite, weite Welt hinein, liebes Kind,“ sagte
der junge Mann, „da wirst du, Sandhase,[3-9] deine blauen Wunder
sehen.“
„Ach, bei uns ist’s auch schön,“ meinte das junge Frauchen, „aber mit
dir fahre ich schon[4-1] in die weite Welt hinein. Es ist mir zwar
ein wenig gruselig dabei zu Mut[4-2] vor den vielen Menschen, was man
da reden soll.“
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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