Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
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Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
„Sag’ du ihnen nur,[4-3] daß du mich lieb hast, und daß es[4-4] keinen
bessern Mann auf der Welt giebt als mich,“ meinte bescheiden[4-5] der
junge Eheherr, „dann hast du gewiß nichts dummes gesagt.“
* * * * *
So fuhren die zwei von dannen und wußten nicht, daß der
Landgerichtsassessor Robert Berneck aus Buchau[4-6] im bayrischen Wald
sich bereits Jahre lang[4-7] auf eine Reise gefreut hatte. Endlich
hatte er Urlaub erhalten. Ein stiller Mondschein[4-8] lagerte sich
schon über das Haupt des Mannes, wiewohl er erst in dem Anfang der
Vierzig stand. Das Amtsleben hatte ihm das ganze bayrische[4-9]
Wappen, den Löwen mitsamt den blauweißen Weckschnitten derart
ins[4-10] Gesicht gestempelt, daß kaum noch eine Spur des eigentlichen
Menschen zu sehen war, der in früheren Jahren nicht so ganz übel[4-11]
gewesen sein mochte.--Er hatte lange zu thun, bis er seine
Siebensachen bei einander hatte. Nachgerade hatte er sich an so viele
Bedürfnisse gewöhnt, und vorsorglich für alle Zukunft wanderte[4-12]
in das Ränzlein, das er noch aus alten Tagen besaß, eine ganze
Haushaltung nebst einer Apotheke. Utensilien, wie Salben für frisch
gelaufene Blasen an den Füßen, Opodeldoc[4-13] für mögliche
Verletzungen, Kamillenthee für Leibschneiden, Storchenfett für
Entzündungen waren nicht vergessen. Eine neue graue Joppe mit grünem
Aufschlag, ein spitziger Tyrolerhut mit Gemsbart,[5-1] alles
elegant[5-2] hergestellt nach seiner Angabe, vollendeten den
Anzug. Bergschuhe, mit dicken Nägeln beschlagen, wurden angezogen, und
der Alpenstock, den er von einem Freund geerbt hatte, stand auch
bereit. Als seine Lena, die niederbayrische Haushälterin, hereintrat
und ihren Herrn so sah, schlug sie die Hände zusammen und meinte im
stillen, ihr Herr sei[5-3] wohl nicht ganz bei Trost.[5-4] Denn bisher
hatte sie ihn nur in seinem ehrbaren Landassessorrock und in der Mütze
mit der Krone[5-5] und dem „L“ darunter gesehen und hatte jedesmal vor
ihm einen Knix gemacht, als ob er die „Hochwürden“ des Orts wäre,[5-6]
jetzt aber war er ihr[5-7] ganz in die Abteilung „Mensch“[5-8]
heruntergesunken.
„Nun, Lena, gefall’ ich dir nicht so?“ meinte der
Landgerichtsassessor. „Ja,“ sagte sie, „jung schaun’s schon völlig
aus, aber halt a bissel verputzelt und kennen thut’s Ihna koan Mensch
hier in der Gegend.“
„Das will ich gerade, Lena. Ich will Mensch sein, ganzer, voller
Mensch, und hingehen, wo mich niemand kennt und ahnt, daß ich ein
Beamter bin.“
„A Mensch will er sein,“ murmelte die Lena vor[5-9] sich, „sonst hat
er als[5-10] gesagt, daß er a Aktenvieh sei.“
„Morgen geht’s[5-11] fort, Lena, hier sind die Schlüssel, und wecken
thust mich auch, denn ich muß fort,[5-12] eh’ mich einer von den
Herren hier sieht.“
„Da haben’s völlig recht,“ meinte die Lena, „denn koan Mensch thät’s
Ihna für unsern gnädigen[6-1] Herrn halten.“
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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