Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
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Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Des Morgens früh blies der himmelblaue[6-2] Postillon hinaus in die
frische Morgenluft. Der Postexpeditor schmunzelte, als er den
Landgerichtsassessor so „verputzelt“ sah und wünschte „allerseits[6-3]
eine glückliche Reise.“ Nach fünf Stunden saß die graue Joppe im
Eisenbahncoupé und that völlig fremd den Reisenden gegenüber.
* * * * *
Und wieder saßen derweilen im Zuge von Stuttgart[6-4] her eine trotz
ihrer Dreißig noch jugendlich aussehende Dame mit drei
gleichgekleideten jungen Mädchen von fünfzehn bis siebzehn
Jahren. Wer[6-5] sich einigermaßen auf Menschen zu verstehen glaubte,
dem schien es ganz klar: „Institutsvorsteherin nebst drei
Pflegebefohlenen.“ Die letzteren mußten wohl von denen[6-6] sein, die
zur geringen Freude der ersteren auch die großen Ferien dableiben,
weil ihre Eltern selbst verreist sind. Anna, Lina und Elsa hießen die
drei Mädchen, die immer lachten, wenn[6-7] sie der Blick ihrer Hüterin
nicht traf. Denn alles kam ihnen lächerlich vor. Jugendlust und
Freude, Unschuld und Kindlichkeit schauten aus den[6-8] Augen, sie
schienen so froh, dem[6-9] Schulszepter entronnen zu sein, und
wären,[6-10] wenn man sie aufs Gewissen gefragt hätte, am liebsten
allein gereist. Und doch schaute die Dame nicht grämlich drein; nur
dann, wenn[6-11] das Lachen zu toll wurde, oder wenn eine aus der
wohlgefüllten Reisetasche einen allzugroßen Brocken hinunterwürgen
wollte, sah sie mahnend auf. Wenn sie aber still einmal schlief, da
zuckte es[7-1] über die schönen Züge wie Sonnenschein, als dächte[7-2]
sie ihrer eigenen schönen Jugendtage.
* * * * *
So verschieden diese sämtlichen Reisenden auszogen, keiner dachte, daß
sie sich alle an _einem_[7-8] Orte unter _einem_ Dache finden würden,
und doch geschah es so. Alle hatten dasselbe Ziel gewählt: das
Salzkammergut.[7-4] Die einen wollten von da über die Tauern[7-5]
hinuntersteigen nach Kärnthen[7-6] und von da hinab nach Italien--die
andern kamen schon daher und wollten den Weg durchs Salzkammergut
zurück.[7-7]
Die Studenten waren im Stellwagen, der von Werfen[7-8] nach Lend
fährt, bereits mit der „Institutsvorsteherin“ bekannt geworden, die
mit ihren Pflegebefohlenen vorn im Coupé saß. Aber freilich nicht
so,[7-9] daß sie einander gesehen hätten. Das[7-10] geschah aber so:
Auf der Fahrt flatterte ein blauer Schleier aus dem Coupé lustig
heraus am Wagen hin, worin hinten die Studios saßen. Da dachte der
eine:[7-11] „Wer mag wohl[7-12] hinter dem blauen Schleier sein?“ Er
träumte sich in den Gedanken hinein und zuletzt ward[7-13] der
Schleier bei seiner Flatterhaftigkeit[7-14] festgehalten und mittelst
einer Stecknadel ihm ein beschriebener Zettel angesteckt. Der Vers war
von den dreien in Kompagnie geschmiedet und lautete:
Blauer Schleier--blauer Himmel!
Blaue Augen--blauer See!
Mir[8-1] wird wohl im Weltgetümmel,
Wenn ich nur was[8-2] blaues seh’!
Blaue Augen! meine Wahl--
Seid gegrüßt viel’ tausendmal!
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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