Eingeschneit: Eine StudentengeschichteFrommel, Emil
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Eingeschneit: Eine Studentengeschichte
Frommel, Emil
Austria -- Fiction; German language -- Readers -- English; Travelers -- Fiction
Er flatterte hinüber und ward dort angehalten. Man hörte von drüben
nichts als ein Kichern und Lachen, und bald darauf flatterte der
Schleier wieder hinaus in die Luft. Ein neuer Zettel war
angesteckt. Und darauf stand:
Fehlgetroffen![8-3] Nichts von Bläue,
Weder Aug’ noch sonst etwas!
Unter’m Hut ein altes Fräulein!
Sagt, Ihr[8-4] Herr’n, gefiel[8-5] Euch das?
Wieder ward der Schleier von den dreien gefangen, der Zettel
abgenommen und bald flatterte wieder ein neuer Vers hinüber:
Auch ein altes, graues Fräulein
Ist uns lieb und ehrenwert--
Ist[8-6] nur unter’m blauen Schleier
Ihr ein junges Herz beschert!--
Noch zweimal ging der Schleier hin und her; den[8-7] Studenten ging
aber allmählich die Poesie aus, und sie zogen die Liederbücher hervor
und fingen an zu singen. Im ganzen Stellwagen ward’s still, als die
frischen Studentenlieder[8-8] so hinaus in die Luft schmetterten.
Als man in Lend ausstieg, wo sich der Weg teilt nach der Gastein[9-1]
durch die finstere Klamm, und nach Zell[9-2] am See dem Pinzgau[9-3]
zu--trafen die Studenten mit ihren Korrespondentinnen zusammen. Der
zweite Tenor schritt auf die „Vorsteherin“ zu[9-4] und entschuldigte
sich in wohlgesetzten Ausdrücken über[9-5] die Freiheit, die sie sich
erlaubt. „Sie haben sich nicht zu entschuldigen, Sie haben uns durch
Ihre Verse und Ihren Gesang die Fahrt verschönert. Hier in der
herrlichen Natur ist auch dem Menschen mehr gestattet als in den
dumpfen Städten,“ antwortete das Fräulein. Die drei jungen Mädchen
kicherten sich[9-6] wieder an, als sie die flotten Poeten sahen und
gaben verlegen Antwort auf ihre Fragen. Nach einer Stunde trennte man
sich.[9-7] Die Studenten zogen dem Pinzgau zu, das Fräulein mit ihrem
Anhang hinauf nach Gastein. Man wünschte sich[9-8] allerseits eine
glückliche Reise. Die Studenten sangen am Postwagen noch eins[9-9] von
den blauen Augen:
Meiner Liebsten blaue Augen
Sind dem schönsten Azur gleich,
Und ein Blick in diese Augen
Ist ein Blick ins Himmelreich ...
Die blauen Schleier nickten dankend und fuhren hinauf den steilen
Weg.--
* * * * *
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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