German Science Reader: An Introduction to Scientific German, for Students of Physics, Chemistry and EngineeringKroeh, Charles Frederick
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German Science Reader: An Introduction to Scientific German, for Students of Physics, Chemistry and Engineering
Kroeh, Charles Frederick
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Das Beharrungsvermögen[1] im allgemeinsten Sinne bezeichnet diejenige
Eigenschaft, wonach der Stoff von selbst keine Veränderungen erleidet,
sondern hierzu äusserliche Einwirkungen erfordert, welche man
Naturkräfte nennt. Man kann sogar sagen, der Stoff widersetzt sich den
Veränderungen, oder er sucht in dem Zustande zu beharren, in dem er sich
gerade[2] befindet. Dieses allgemeinste Prinzip aller Naturerklärung
führt den Namen des Gesetzes von Ursache und Wirkung oder des
Kausalgesetzes[3].
Ein ruhender Körper hat demnach das Bestreben, in Ruhe zu bleiben,
während anderseits ein[4] etwa durch einen Stoss in Bewegung gesetzter
Körper, wenn er durch keinerlei äussere Einwirkung daran verhindert
würde, in gerader Linie und mit unveränderter Geschwindigkeit ins
Unendliche sich fortbewegen würde. Dasselbe würde geschehen, wenn wir
einen Körper in Drehung um eine Achse versetzten; auch diese Drehung
würde mit unveränderlicher Drehungsgeschwindigkeit ins Unendliche
fortdauern.
Der erste Teil des obigen Satzes wird fortwährend durch die tägliche
Erfahrung bestätigt; hierauf beruht z. B. das Durchschlagen einer
Fensterscheibe durch eine abgeschossene Kugel. Die Festigkeit[5] des
Glases reicht nicht hin[6], um den Widerstand, mit dem sich die ruhende
Scheibe der Annahme[7] der grossen Geschwindigkeit der Kugel
widersetzt, zu überwinden; infolgedessen[8] bricht der von der Kugel
unmittelbar getroffene Teil heraus, ehe die benachbarten Teile des
Glases in so grosse Bewegung gerathen können, dass ein Springen der
ganzen Scheibe eintritt. Legt man eine Münze auf einem Kartenblatt über
die Mündung einer Flasche, so fällt sie beim Wegschnellen[9] des
Kartenblatts in die Flasche.
Für den zweiten Teil des Satzes haben wir keine strengen
Erfahrungsbeweise, weil auf der Erde jede Bewegung Widerstände erfährt
und infolgedessen ein durch Stoss bewegter Körper nach längerer oder
kürzerer Zeit zur Ruhe kommt.
Beispiele[10] für seit undenklichen Zeiten gleichmässige
Drehungsbewegungen bieten die Achsendrehungen der Planeten.
Statt Beharrungsvermögen gebraucht man auch den weniger
entsprechenden[11] Ausdruck Trägheit.
12.
Die Schwere äussert[1] sich als das Bestreben eines jeden Körpers, sich
nach dem Erdmittelpunkte hin zu bewegen. Wird[2] demnach ein Körper an
dieser Bewegung nicht verhindert, so setzt sich derselbe in der Richtung
nach dem Erdmittelpunkte in Bewegung; wird jedoch durch eine feste
Unterlage[3] oder durch Aufhängen diese Bewegung unmöglich gemacht, so
übt[4] der Körper einen Druck oder Zug aus. Diesen Druck oder Zug nennt
man das Gewicht des Körpers.
Die Fallbewegung geschieht also[5] an jedem Orte in der Richtung des
Erdhalbmessers; dieselbe Richtung nimmt ein biegsamer Faden an, an
welchem ein schwerer Körper aufgehängt ist (Lot[6]). Man nennt diese
Richtung die lotrechte, senkrechte oder vertikale. Eine zu dieser
Richtung rechtwinklige Ebene oder Linie nennt man wagerecht oder
horizontal.
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