Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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An dem Kreuzwege wurde bald darauf ein neues, freundliches Häuschen
gebaut. Die Bewohner hatten nicht nur ihr gutes Brot, sondern halfen
auch andern Leuten gern, wenn es not tat. Im Hause aber stand auf dem
Schrank der irdene Topf mit einer Schrift daran, die weder der Mann
noch die Frau lesen konnte.
Da wurde es wieder einmal Herbst. Es hatte stark geregnet, und die Wege
waren grundlos geworden. Ein holländischer Pfarrer trat ins Haus und
fragte die guten Leute, ob er sich ein wenig bei ihnen ausruhen dürfe.
Sein Wagen, sagte er, stecke nicht weit davon in dem weichen Lehmboden,
und es werde wohl eine Stunde dauern, bis der Kutscher weiterfahren
könne.
Der Herr Pastor wurde natürlich gebeten, den Ehrenplatz am Herde
einzunehmen. Er ließ sich in den großen Lehnstuhl nieder und streckte
die kalten Füße gegen das Herdfeuer. Wie er nun so dasaß, fiel ihm der
irdene Topf oben auf dem Schrank in die Augen, und er fragte, was daran
geschrieben stehe. Die Leute erzählten ihm, der Topf sei ein altes
Erbstück, doch die Schrift könnten sie nicht lesen.
Der Pfarrer trat an den Schrank, besah das Gefäß von rechts und von
links und sagte: »Nun, lesen kann ich die Schrift wohl: ‚Unter diesem
Topf steht noch ein größerer‘: was das aber bedeutet, weiß ich auch
nicht.«
Der Mann und die Frau sahen einander an, als wenn sie sagen wollten:
»Wir aber wissen’s jetzt«; doch ließen sie den Pfarrer nichts merken.
Mittlerweile war der Kutscher gekommen und meldete dem Pfarrer, er
könne nun weiterfahren, der Wagen stehe vor der Tür, und damit nahm der
fremde Herr Abschied.
Am Abend desselben Tages hoben Mann und Frau noch den zweiten und
größeren Schatz, und auch damit haben sie in den Zeiten, wo das Land
unter der Herrschaft Napoleons seufzte, recht viel Gutes getan.
/T. Kerkhoff./
Der Zwerg und die Gerstenähre.
Ein reicher Bauer stand in seiner Scheune und schaute zufriedenen
Herzens an, was ihm der Sommer und der Herbst gebracht hatten. Bis zum
hohen Giebel hinauf war alles voll goldener Garben, und draußen auf dem
Felde standen noch Hunderte, so reich war die Ernte gewesen. Dazu war
das Stroh so lang und die Ähren so voll wie seit Jahren nicht.
Als er nun so dastand und an das Dreschen im Winter dachte, wie auch
an die schweren Säcke Korn, die er dem Müller in der Stadt verkaufen
wollte, und an die vielen blanken Taler, die er dafür nach Hause
bringen würde, da raschelte etwas ganz leise in einem Haufen Stroh, der
neben ihm lag. Der Bauer glaubte, es sei eine Maus, und faßte schon
seinen Stock fester, um sie totzuschlagen. Allein wie verwunderte er
sich, als statt der Maus eine kleine Gestalt aus dem Stroh hervortrat,
die freilich nicht viel größer war, aber auf zwei Beinen ging und ein
rotes Käppchen auf dem Kopfe trug! Dieses lüftete der kleine Wicht gar
höflich und sprach mit feiner Stimme: »Herr Bauer, ich habe eine große
Bitte an Euch.«
»Nun, was willst du denn, kleiner Mann?« fragte der.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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