Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises — John Shaqi
Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
German language -- Readers
Es lebte ein Bauer in Schlesien, der war steinreich. Man brauchte eine
volle Stunde, um nur einmal über seine Felder zu gehen. Im Sommer stand
überall das Korn so hoch, daß es ihn um eine Kopfeslänge überragte, und
er selbst war wirklich nicht klein.
Aber so reich der Bauer war, so hartherzig und habgierig war er auch.
Seine Knechte mußten doppelt soviel arbeiten wie die bei den anderen
Bauern und erhielten doch nur halb soviel Lohn. Daher war er in der
ganzen Umgegend als der ärgste Geizhals bekannt, und schließlich hörte
auch Rübezahl, der Berggeist, davon. Dieser beschloß deshalb, den Bauer
zu züchtigen. Das machte er aber so.
Er nahm die Gestalt eines Knechts an, aber eines sehr schwächlichen,
und als solcher ging er zu dem Bauer und sprach: »Ach, Herr, nehmt mich
doch als Drescher in Euren Dienst! Ich arbeite für zwei und verlange
nur wenig Lohn.«
»Erst muß ich sehen, ob du auch stark genug bist«, sagte der Bauer und
ging mit ihm in die Scheune, wo er dem Knecht Arbeit gab. Wie wunderte
sich aber der Herr, als er sah, mit welcher Kraft und Gewandtheit der
Knecht den Dreschflegel handhabte! Vom frühen Morgen bis zum späten
Abend drosch er tapfer drauf los, ohne zu ermüden und ohne mehr als
ein kleines Stück Brot dabei zu essen. Da rieb sich der geizige Bauer
vergnügt die Hände, denn solch einen Knecht hatte er noch nie gehabt.
Als nun des Dreschers Zeit um war, bat er sich zum Lohn nur so viel
Korn aus, wie er forttragen könne. Damit war sein Herr wohl zufrieden,
weil er bei sich dachte, das würde ja nicht viel sein. Wie erstaunte er
aber, als der kleine Kerl einen der größten Säcke nahm, ihn bis oben
an den Rand füllte, und dann noch einen und zuletzt einen dritten und
schließlich alle drei auf den Rücken schwang und damit forteilen wollte!
»Holla!« rief der Bauer und versuchte ihm die Säcke herunterzureißen.
Doch ehe er sich’s versah, drehte sich der dürre Drescher um, packte
die ganze Scheune auf den Rücken und fuhr damit in die Lüfte, auf
Nimmerwiedersehen!
Da erkannte der Bauer, daß es kein anderer gewesen war als der
Berggeist Rübezahl, der ihn betrogen hatte. Er nahm sich aber die
Züchtigung so zu Herzen, daß er sich fortan wohl hütete, seine Knechte
je wieder zu schinden.
/Ferdinand Goebel./
Die befreiten Seelen.
Vor der Seebachmühle hielt ein junger Stadtherr mit der Angelrute in
der Hand und sprach einen alten Mann an, der vor der Tür saß: »Ihr
seid der Müller, nicht wahr? Ich hätte Lust, Forellen zu angeln. Was
verlangt Ihr für die Erlaubnis?«
»Wollt Ihr im Ober- oder im Untersee fischen?« fragte der Alte.
»Im Obersee.«
»Das kostet nichts.«
»Schön Dank.«
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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