Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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»Lieber Vater! So kann es nicht länger fortgehen. Allzulange schon
entbehrst du kräftiger Nahrung, und die Kutte schlottert bedenklich
um deinen abgezehrten Leib. Wie wäre es, wenn wir den Langgeöhrten
schlachteten und brieten? Ein saftiger Hasenrücken würde dir guttun,
und überdies ist es ja der Hasen Bestimmung, in der Pfanne zu schmoren.«
So sprach der Fuchs. Aber Bruder Klaus runzelte die Stirn und sprach
zürnend:
»Mitnichten, du Arger! Der Hase hat, wie ihr beide auch, Salz und
Brot mit mir gegessen. Ferne sei es von mir, das heilige Gastrecht in
schnöder Weise zu verletzen! Hebet euch weg!«
Jetzt ergriff der Waldkater das Wort und sprach schmeichelnd: »Deine
Rede, mein Vater, klingt lieblich wie Harfensaiten und Schalmeien.
Wie aber, wenn der Hase selbst sich erböte, den Opfertod für dich zu
leiden?«
»Dann freilich -- -- --« sprach Bruder Klaus und zog die Schultern in
die Höhe. »Aber das wird der Hase wohl bleibenlassen.«
Mit diesen Worten entließ er die Tiere.
Am andern Morgen, als der Einsiedel eine Wassersuppe genossen und sein
Glöcklein geläutet hatte und ausruhend auf der Steinbank vor der Tür
saß, kamen Fuchs, Kater und Hase heran, stellten sich vor der Bank auf
und verneigten sich. Dann nahm der Fuchs das Wort:
»Bruder Klaus, du bist uns allezeit ein gütiger Herr gewesen und hast
jeden Bissen mit uns geteilt. Darum halten wir es für unsere Pflicht,
dir jetzt, da du Not leidest, nach Kräften beizustehen und dein teures
Leben zu fristen. Es ist notwendig, daß du Fleischnahrung zu dir
nehmest. Vergönne mir, mein Vater, daß ich für dich in den Tod gehe!
Hier stehe ich. Tu mit mir nach deinem Gefallen!«
[Illustration: /Bruder Klaus und die treuen Tiere./]
Da sprach der Waldkater: »Freund, du sprichst wie ein Tor. Weißt du
nicht, daß Fuchsfleisch eine höchst ungesunde Speise ist? Willst du
unsern Wohltäter vor der Zeit unter den Rasen bringen?«
Der Fuchs seufzte tief auf. Bruder Klaus aber sprach gerührt: »Lebe, du
treues Tier, und freue dich deines Lebens!«
Darnach erhob der Kater seine Stimme: »Wenn schon einer von uns sein
Leben lassen soll, so will ich der eine sein. Herr, nimm mein Opfer an,
ich bitte dich!«
»So?« sprach der Fuchs. »Glaubst du etwas Besseres zu sein als ich --
du, ein fleischfressendes Krallentier? Nein, Herr, das Fleisch dieses
Maushundes, dem die Knochen allenthalben hervorstehen wie die Dornen am
Schlehbusch, darfst du nimmermehr genießen!«
»Geh hin, mein Freund!« sprach Bruder Klaus zu dem Kater. »Der Wille,
nicht die Gabe macht den Geber. Ich danke dir. Dein Opfer nehme ich
nicht an.«
Jetzt, meinte der Hase, dürfe er, ohne sich den Vorwurf des Undanks
zuzuziehen, hinter seinen beiden Gesellen nicht zurückbleiben, zumal da
er nicht zu befürchten habe, beim Wort genommen zu werden. Er verneigte
sich also vor dem Einsiedel und sprach:
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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