Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
German language -- Readers
Die Witwe aber sprach bei sich, als sie in ihrem Stüblein allein
war: »Ich lasse alles liegen und stehen, auch seinen Schemel, denn
allzulange wird er nicht wegbleiben.« Und als eine Stunde darauf die
Nachbarin ein Paar Schuhe zum Flicken brachte, nahm sie diese ruhig an
und sagte: »Morgen abend könnt Ihr wiederkommen und sie abholen, da
werden sie fertig sein.«
Andreas aber, je weiter er ging, desto länger wurde ihm der Weg nach
England und Amerika. Schon auf den Wiesen zwischen den beiden nächsten
Ortschaften gelobte er, sich mit der Neuen Welt nicht einzulassen.
In dem großen, düsteren Mönchswalde gab er auch England auf. In dem
tiefen Sande jenseit des Waldes machte er sich schon das näher gelegene
Frankfurt zum Endziel seiner Wanderschaft. Und als er nun Merkendorf
erreichte und ihm da und dort aus den Stuben ein heimliches Abendlicht
entgegenschimmerte, wie vom Himmel die ersten Sterne, ja, da fühlte er
ganz und gar, was es heiße, Mutter und Heimat auf Nimmerwiedersehen zu
verlassen.
So kam er in die Herberge, nippte ohne großen Appetit an dem Bier,
das ihm vorgesetzt wurde, und legte sich dann todmüde zwischen die
Würzburger Fuhrleute, die auf dem Stroh in der Stube umherlagen. Sein
Wanderbündel nahm er dabei zum Kopfkissen. Dann löschte der Wirt die
mit Schmalz gefüllte Lampe aus, und die Stube blieb nur noch matt vom
Licht des Mondes erhellt.
Andreas hatte aber einen schlimmen Platz gewählt. Sein Schlafkamerad
zur Linken schien nämlich von einer Schlägerei zu träumen. Wenigstens
schlug er mit seinen großen und harten Fäusten gewaltig um sich und
traf dabei den Schuhmacher so ins Genick, daß dieser erschrocken
aufsprang und sich nach einer anderen Schlafstätte umschaute. Bald
erspähte er auch dicht an der Wand zwischen dem Fenster und der
Stubentür so etwas wie eine lange, schmale Tafel oder Bank, auf der
weiter nichts stand als ein leerer Scheffel. Nachdem er den vorsichtig
herabgenommen und auf den Fußboden gestellt hatte, hob er seinen Ranzen
hinauf und streckte sich dann selbst ganz nach seiner Bequemlichkeit
auf der vermeintlichen Tafel oder Bank aus; sie war auch gerade lang
genug für seine nicht allzu große Gestalt, obgleich sie gern etwas
breiter hätte sein können.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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