Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Eine Stunde darauf, nachdem er die Teigkruste abgewaschen und sich
in sein Hausgewand geworfen hatte, saß er schon wieder auf seinem
Erbschemel und flickte, als sei zwischen gestern und heute gar nichts
Besonderes vorgefallen, die Schuhe, welche die Nachbarin am vorigen
Abend hereingebracht hatte.
Fort in die Fremde begehrte er nicht mehr, sondern suchte sich nach
dem Wunsche der Mutter eine Lebensgefährtin aus und hielt nach einigen
Monaten eine große Hochzeit.
Etliche Tage zuvor aber fiel ihm der Hochzeitsteig wieder ein, den er
auf seiner Reise nach Amerika verdorben hatte, und er schickte dem Wirt
in Merkendorf zur vollen Entschädigung drei neue Kronentaler mit der
Post, jedoch ohne Namensunterschrift.
/Karl Stöber./
Wie man Diebe fängt.
An einem Juliabend im Jahre 1836 saß ein alter Seekapitän auf der
Veranda seines schönen, großen Landhauses, ein halb Stündlein von
der holländischen Stadt Haarlem. Und warum sollte er auch nicht dort
sitzen? Hatte er sich doch draußen auf See vierzig Jahre lang Wind und
Wetter um die Ohren wehen lassen, und sein Gesicht sah aus wie eine
verwitterte Felswand.
Er rauchte vom feinsten Kubatabak aus einem echten türkischen Kopf und
trank dazu langsam aus einer echten japanischen Tasse den teuersten
Mokkakaffee, dachte an seine Fahrten auf fremden Meeren und freute
sich, daß er das Seine ins trockene gebracht und nun in Frieden
genießen konnte. Denn drinnen im Hause waren allerhand rare Schätze
aus fernen Ländern aufgestapelt, und außerdem viel Silber und Gold in
schweren Truhen.
Sein Diener, ein alter Matrose, den er nach Haarlem geschickt hatte,
um Einkäufe zu machen, war zur Stunde noch nicht wieder aus der Stadt
zurück. Da nun aber die Sonne schon untergegangen war und die feuchten
Nebel heraufstiegen, so dachte der alte Mynheer: »Du willst doch in
deinem Alter nicht noch den Schnupfen kriegen«, klopfte seine Pfeife
aus, ging hinein, verschloß die Tür und legte sich bald darauf ins Bett.
Er mochte wohl so im ersten Halbschlummer liegen und von den Chinesen
träumen mit ihren Mandelaugen und langen Zöpfen, da hört er am Fenster
etwas bohren, als ob einer da hereinwolle statt durch die Haustür. Er
steht also behutsam auf und merkt auch sogleich, daß wirklich jemand
draußen unterm Fenster ist, der ihm nächtlings, und zwar unangemeldet,
einen Besuch machen will, vielleicht weniger ihm selbst als seinen
goldenen Vögeln. Da fällt’s nun dem Alten siedendheiß auf die Seele,
daß leider alle seine Säbel, Flinten und Pistolen in der Waffensammlung
am andern Ende des weitläufigen Hauses sind: er hat deshalb kein
einziges Stück, womit er sich wehren kann, und weiß zuerst nicht recht,
was er anfangen soll.
Mittlerweile ist der Dieb mit seinen Vorbereitungen fertig geworden und
hat eine Fensterscheibe aus dem Rahmen entfernt. Da aber ist auch unser
alter Seemann seinerseits bereit, ihn zu empfangen.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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