Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Die beiden Großbauern standen starr vor Schrecken und bekreuzten sich.
Dann traten sie zur Grenzfichte heran und blickten erstaunt in das Werk
des feurigen Schiedsrichters. »Da liegt nun, was jedem gehört!« sagte
der Dohlenhamer ernst und streckte seinem Nachbarn die Hand hin.
»Das war der drohende Finger Gottes: unser Streit ist entschieden!«
sprach der Ermansperger sichtlich bewegt und ergriff die dargebotene
Rechte.
»Da hat der Blitz den Richter gemacht!« erzählten sich nun alle und
dachten dabei an die Worte des Dorfschmieds. Noch heute aber lebt
das seltsame Gewitter fort im Gedächtnis und Munde des Volks, das
Ermansperg und Dohlenham umwohnt.
/Joseph Schlicht./
Das Abenteuer im Walde.
Es regnete, was vom Himmel herunterwollte. Die Tannen schüttelten den
Kopf und sagten zueinander: »Wer hätte am Morgen gedacht, daß es so
kommen würde!« Es tropfte von den Bäumen auf die Sträucher, von den
Sträuchern auf das Farnkraut und lief in unzähligen kleinen Bächen
zwischen dem Moose und den Steinen. Am Nachmittag hatte der Regen
angefangen, und nun wurde es schon dunkel, und der Laubfrosch, der vor
dem Schlafengehen noch einmal nach dem Wetter sah, sagte zu seinem
Nachbar: »Vor morgen früh wird es nicht aufhören.«
Derselben Ansicht war eine Ameise, die bei diesem Wetter durch den
Wald mußte. Sie war am Vormittag mit Eiern in Tannenberg auf dem Markt
gewesen und trug jetzt das dafür gelöste Geld in einem kleinen, blauen
Leinwandbeutel nach Hause. Bei jedem Schritt seufzte und jammerte
sie. »Das Kleid ist hin,« sagte sie, »und der Hut auch! Hätt’ ich nur
den Regenschirm nicht stehenlassen, oder hätt’ ich wenigstens die
Überschuhe angezogen! Aber mit Zeugschuhen in solchem Regen ist gar
kein Weiterkommen!«
Während sie so sprach, sah sie gerade vor sich in der Dämmerung einen
großen Pilz. Freudig ging sie darauf zu. »Das paßt,« rief sie, »das
ist ja ein Wetterdach, wie man es sich nicht besser wünschen kann.
Hier bleib’ ich, bis es aufhört zu regnen. Wie es scheint, wohnt hier
niemand -- desto besser! Ich werde mich sogleich häuslich einrichten.«
Das tat sie denn auch. Sie war eben daran, das Regenwasser aus den
Schuhen zu gießen, als sie bemerkte, daß draußen eine kleine Grille
stand, die auf dem Rücken ihr Violinchen trug.
»Hör’, Ameischen,« hub die Grille an, »ist es erlaubt, hier
unterzutreten?«
»Nur immer herein!« erwiderte die Ameise. »Es ist mir lieb, daß ich
Gesellschaft bekomme.«
»Ich habe heute«, sagte die Grille, »im Heidekrug zur Kirmes
aufgespielt. Es ist ein bißchen spät geworden, und nun freue ich
mich, daß ich hier die Nacht bleiben kann, denn das Wetter ist ja
schrecklich, und wer weiß, ob ich noch ein Wirtshaus offen finde.«
Also trat das Grillchen ein, hing sein Violinchen auf und setzte sich
zu der Ameise. Noch nicht lange saßen sie da, so sahen sie in der Ferne
ein Lichtchen schimmern. Wie es näher kam, erkannten sie es als ein
Laternchen, das ein Johanniswürmchen in der Hand trug.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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