Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises — John Shaqi
Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
German language -- Readers
»Ich bitt’ euch,« sagte das Johanniswürmchen höflich grüßend, »laßt
mich die Nacht hier bleiben! Ich wollte eigentlich nach Moosbach zu
meinem Vetter, habe mich aber im Walde verirrt und weiß weder aus noch
ein.«
»Nur immer zu!« sagten die beiden. »Es ist recht gut für uns, daß wir
Beleuchtung bekommen.« Gern folgte das Johanniswürmchen der Einladung
und stellte sein Laternchen auf den Tisch.
Der Schein des Lichts führte ihnen bald einen Wanderer zu, der ziemlich
ungeschickt über Laub und Moos herangestolpert kam. Es war ein Käfer
von der großen Art. Ohne »Guten Abend« zu sagen, trat er ein.
»Aha!« rief er, »so bin ich doch recht gegangen, und dies ist die
Zimmergesellenherberge.« Mit diesen Worten setzte er sich, holte seinen
Schnappsack hervor und begann sein Abendbrot zu verzehren. »Ja, ja,«
sagte er, »wenn man den ganzen Tag über Holz gebohrt hat, dann schmeckt
das Essen!« Als er fertig war, stopfte er sich seine Pfeife, ließ
sich vom Johanniswürmchen Feuer geben, zündete an und fing an, ganz
gemütlich zu rauchen.
Unterdessen war es draußen ganz dunkel geworden und das Wetter
schlimmer als vorher, da traf zur allgemeinen Verwunderung noch ein
später Gast ein. Schon seit längerer Zeit hörte man in der Ferne ein
eigentümliches Schnaufen; dies kam langsam näher und näher, und endlich
erschien unter dem Pilz eine Schnecke, die ganz außer Atem war.
»Das nenne ich laufen!« rief sie. »Wie bin ich gejagt! Ordentlich
das Seitenstechen hab’ ich bekommen. Ich will nur gleich bemerken,
daß ich im nächsten Dorfe eine Bestellung zu machen habe, die Eile
hat. Aber niemand kann über seine Kräfte, besonders wenn er sein Haus
mitschleppen muß. Wenn die Gesellschaft erlaubt, will ich hier ein
Stündchen rasten; dann kann ich nachher wieder galoppieren, als gälte
es, den Dampfwagen einzuholen.«
Niemand hatte etwas dagegen, daß sich die Schnecke ein gemütliches
Plätzchen aussuchte. Da setzte sie sich vor ihre Haustür, holte ihr
Strickzeug hervor und fing an zu stricken.
So waren nun die fünfe da versammelt, als die Ameise das Wort nahm
und also sprach: »Warum sitzen wir hier so trübselig beieinander und
langweilen uns, da wir uns doch die Zeit auf angenehme Weise verkürzen
könnten? Ich habe daran gedacht, daß wir uns Geschichten erzählen
sollten, und gern würde ich selbst den Anfang machen, wenn ich nur
eine recht hübsche Geschichte wüßte. Nun ist mir aber eben etwas noch
Besseres eingefallen. Ich sehe, daß die Grille ihr Violinchen bei sich
hat. Wenn sie nicht gar zu müde ist, möchte ich sie bitten, uns ein
lustiges Stückchen zu spielen, damit wir eins tanzen können.«
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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