Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises — John Shaqi
Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
German language -- Readers
Dieser Vorschlag der Ameise fand allgemeinen Beifall. Die Grille ließ
sich auch nicht lange nötigen, sondern stellte sich sogleich mit ihrem
Violinchen in die Mitte und spielte das lustigste Tänzchen herunter,
welches sie auswendig wußte, während die anderen um sie herumtanzten.
Nur die Schnecke tanzte nicht mit. »Ich bin«, sagte sie, »nicht gewöhnt
an das schnelle Herumwirbeln; mir wird zu leicht schwindelig. Aber
tanzt, soviel ihr wollt! Ich sehe mit Vergnügen zu und mache meine
Bemerkungen.« Die anderen ließen sich denn auch gar nicht stören,
sondern jubelten so laut, daß man es auf drei Schritt Entfernung hören
konnte.
Aber ach, durch welch ein furchtbares, ungeahntes Ereignis wurde ihr
Fest plötzlich unterbrochen! Der Pilz, unter welchem die lustige
Gesellschaft tanzte, gehörte leider einer alten Kröte. An schönen
Tagen saß sie oben auf dem Dache, wie die Kröten zu tun pflegen;
trat aber schlecht Wetter ein, so kroch sie unter den Pilz, und es
konnte ihretwegen regnen von Pfingsten bis Weihnachten. Diese Kröte
nun war am Nachmittag nach dem nächsten Moor zu ihrer Base, einer
Unke, gegangen, und sie hatten sich bei Kaffee und Napfkuchen so viel
erzählt, daß es darüber dunkel geworden war. Jetzt am Abend kam die
Kröte ganz leise nach Hause geschlichen. Über dem Arm hatte sie ihren
Arbeitsbeutel hängen, und in der Hand trug sie einen roten Regenschirm
mit messingener Krücke. Als sie den Jubel in ihrem Hause hörte, trat
sie noch leiser auf. So kam es, daß die Leutchen drinnen sie nicht eher
gewahr wurden, als bis sie mitten unter ihnen stand.
Das war eine unerwartete Störung! Der Käfer fiel vor Schreck auf den
Rücken, und es dauerte fünf Minuten, ehe er wieder auf die Beine
kommen konnte. Das Johanniswürmchen dachte zu spät daran, daß es sein
Laternchen hätte auslöschen sollen, um in der Dunkelheit zu entwischen.
Die Grille ließ mitten im Takt ihr Violinchen fallen, die Ameise sank
aus einer Ohnmacht in die andere, und selbst die Schnecke, die sonst
nicht leicht aus der Fassung zu bringen ist, bekam Herzklopfen. Sie
wußte sich aber schnell zu helfen: sie kroch in ihr Häuschen, riegelte
die Tür hinter sich ab und sprach zu sich: »Was da will, kann kommen!
Ich bin für niemand zu sprechen.«
[Illustration: /Das Abenteuer im Walde./]
Nun hättet ihr aber hören sollen, wie die Kröte die armen Leute
heruntermachte! »Sieh einmal an,« rief sie zornig und schwang
ihren Regenschirm, »da hat sich ja ein schönes Lumpengesindel
zusammengefunden! Ist das hier eine Herberge für Landstreicher und
Dorfmusikanten? Ich sag’ es ja, nicht aus dem Haus kann man gehen,
gleich ist der Unfug los! Augenblicklich packt ihr jetzt eure
Siebensachen ein, und dann fort mit euch, oder ich will euch schon
Beine machen!«
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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