Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises — John Shaqi
Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
German language -- Readers
Was war zu tun? Die armen Leute wagten gar nicht, sich erst aufs Bitten
zu legen, sondern nahmen still ihre Sachen auf, riefen der Schnecke
durchs Schlüsselloch zu, daß sie mitkommen solle, und als auch diese
sich fertig gemacht hatte, zogen sie alle miteinander von dannen.
Das war ein kläglicher Auszug! Voran das Johanniswürmchen, um auf dem
Wege zu leuchten, dann der Käfer, dann die Ameise, dann das Grillchen
und zuletzt die Schnecke. Der Käfer, der eine gute Lunge hatte, rief
von Zeit zu Zeit: »Ist hier kein Wirtshaus?« Aber alles Rufen war
vergeblich.
Als sie ein Stück gegangen waren, merkten sie, daß die Schnecke nicht
mehr bei ihnen war. Sie riefen alle zusammen in den Wald zurück:
»Schnecke! Schnecke! Beeile dich!« -- erhielten aber keine Antwort. Die
Schnecke mußte wohl so weit zurückgeblieben sein, daß sie diese Rufe
nicht mehr hören konnte.
Die andern zogen betrübt weiter, und nach langem Umherirren fanden sie
unter einer Baumwurzel ein leidlich trockenes Plätzchen. Da brachten
sie die Nacht zu unter großer Unruhe und ohne viel zu schlafen. Waren
sie auch mit heiler Haut davongekommen, so blieb es doch immerhin
ein schlimmes Abenteuer, und die mit dabeigewesen sind, werden daran
denken, solange sie leben.
/Johannes Trojan./
Wie die Wodansmühle entstand.
In der Nähe meines Heimatdorfes, eine kleine halbe Stunde bergaufwärts,
befand sich eine schmale Waldblöße, durch welche ein Bach
dahinrauschte. Dort lagen Trümmer aller Art umher, und an der einen
Seite des Baches ließ sich so etwas wie ein alter Graben erkennen, der
gewöhnlich trocken war und nur nach schweren Gewittern oder während der
Schneeschmelze Wasser führte. Niedrige, brandgeschwärzte Mauerreste
daneben zeigten, daß hier einmal ein Gebäude gestanden hatte, und ein
runder, halbversunkener Stein mit einem viereckigen Loch in der Mitte
schien anzudeuten, daß es eine Mühle gewesen sei. Auch hieß diese
Stätte noch in meinen Kinderjahren die Wodansmühle, obwohl sogar die
ältesten Leute sich nicht erinnerten, daß es dort je eine Mühle oder
einen Müller gegeben habe.
Nur einer machte hiervon eine Ausnahme, das war mein Großvater. Der
stak voll alter Geschichten und Mären und war ein nachdenklicher Mann;
was man ihn auch fragen mochte, er wußte Bescheid. Dann erzählte er,
wie alles gewesen, und kannte und nannte es bei Ort und Namen und Zeit,
und das tat er immer in seiner eigenen, wunderlichen Weise, die einem
jeden zu Herzen ging.
Einmal fragte ich ihn, warum man denn den Ort »Wodansmühle« heiße, da
doch nirgends eine Mühle zu sehen sei.
»Dinge und Menschen vergehen,« sagte der alte Mann, »aber Namen
bleiben. Doch du sollst wissen, wie es mit der Mühle war, denn eine
Mühle hat hier wirklich einmal gestanden. Wie käme sonst der Mühlstein
in den Wald? Mühlsteine, die wild wachsen, gibt es nicht. Also höre zu!
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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