Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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In uralten Zeiten war drunten noch kein Dorf. Ein jeder baute sein
Haus für sich mitten in das Feld hinein, das ihm gehörte, damit er
alles hübsch nahe und beisammen habe und nicht so viele Schritte zu tun
brauche. So wohnten die Bauern einzeln und verstreut über das ganze
Land hin, gerade wie die Füchse und Dachse in ihren Gruben.
Aber ein Haus gab es, wo jetzt unser Dorf steht, das war eine
Schmiede. Schon damals kreuzten sich drunten zwei große Heerstraßen,
und wenn Züge bewaffneter Männer oder reisende Händler aus fernen
Landen mit Rossen und Wagen und Karren vorbeikamen, dann hatte der
Schmied, der auch eine Herberge hielt, alle Hände voll zu tun. Es war
ein Ort, wo man etwas sehen und hören und lernen konnte. Menschen jedes
Stammes und jedes Standes trafen hier zusammen und erzählten sich, was
Neues und Wunderbares in der Welt passiert war. Fahrende Spielleute,
die von einem Fürstenhof zum andern zogen, sangen hier oft ihre Lieder
zum Lobe großer Könige und Helden, deren Kriegsruhm damals die Welt
erfüllte.
Auch über mancherlei neue und geheime Künste berichtete man, die
jenseits des Rheinstroms oder der Alpen von fremden, dunkelhaarigen
Völkern geübt wurden. Seltsame Werkzeuge, Waffen und Münzen waren da
zu sehen, welche man in Tausch und Kampf mit den Fremden als kostbare
Schätze oder Gedenkzeichen davongetragen hatte.
Bei all solchen Gelegenheiten horchte der Schmied wohl auf,
vernahm, was gesagt, und betrachtete, was gezeigt wurde, offenen
und nachdenklichen Sinnes, wie ein verständiger Mann es tut, und
machte sich über alles seine eigenen Gedanken. So währte das Leben
in Werkstatt und Herberge den ganzen Frühling und Sommer hindurch,
bis unwegsames Wetter im Spätherbst den Verkehr hemmte, und bis der
schweigsame Schnee die weiten Lande in eine weiße Einöde verwandelte
und stöbernd gewaltige Wälle auf der Wetterseite der Schmiede aufwarf.
Dann ward es gar still da unten, und das Klappern und Klingen der
Hammerschläge erstarb, wie der Herzschlag in eines toten Mannes Brust.
In einer wilden Märznacht nun, als der Schnee bereits am Schmelzen war,
lag einmal der Schmied auf seinem Lager und lauschte im Einschlafen auf
das schurrende Geräusch der Steinblöcke, die der überschäumende Bach zu
Tal schob. Da drang es plötzlich an sein Ohr wie Heulen und Brausen.
Erst unbestimmt und aus weiter Ferne, aber rasch sich nähernd, wie auf
Fittichen des Sturmes, schwoll es an zu einem entsetzlichen, hohlen und
tiefen Getöse, untermischt mit Pfeifen, Stöhnen und einzelnen wilden
Schreien. Dazwischen erklang es wie das langgezogene nächtliche Geheul
von Hunden und wie dumpfdröhnender Hufschlag.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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