Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Zugleich aber erhob sich von neuem das wilde, grausige Getöse. Erde
und Luft, bis zu den tiefstreichenden Wolken hinan, wimmelten von
gespenstischen Gestalten, die in rasendem Ritte vorübersausten. Voran
Weiber zu Roß mit wehenden Haaren, hinterher bleiche Krieger, die
aus offenen Wunden bluteten. Heulend sprangen Hunde dazwischen mit
funkelnden Augen und lechzenden Zungen, von denen feuriger Geifer floß,
und darüber flatterten Raben mit rauhem Gekrächze. Immer neue, wilde
Gestalten tauchten auf und drängten und schoben einander in eiligem
Zuge, unaufhörlich, endlos! Da schlugen plötzlich kreischende Stimmen
aus dem Getümmel an sein Ohr: ‚Weg frei! Platz da, oder du mußt mit!‘
Und wie von unsichtbarer Gewalt getrieben, trat der Schmied von dem
offenen Tor zurück, warf beide Flügel zu und schob die Riegel vor. Dann
brach er ohne Besinnung zusammen.
Als er zu sich kam, war es heller Morgen, und der nächtliche Spuk
erschien ihm wie ein Traum. Da sah er neben sich etwas in der Sonne
blinken. Es war das gebrochene Hufeisen, das ihm der Wode als Lohn
zugeworfen hatte, und als er es aufhob, siehe! da war es von gediegenem
Golde. Nun wußte er, daß er den gewaltigen Gott der Schlachten und
toten Heerscharen, den weisen Zauberer und Wanderer mit seinem wütenden
Gefolge selbst gesehen hatte, und verwahrte sein goldenes Hufeisen zum
Andenken an das nächtliche Abenteuer. Bald darauf aber drang auch die
Kunde ins Land, daß vier Tage nach jener Nacht im Böhmerlande eine
blutige Schlacht geschlagen worden sei.
Als der Frühling wiederkehrte und die liebe Sonne die Straßen wieder
getrocknet und wegsam gemacht hatte, nahm eines Abends ein fremder
Mann Herberge in der Schmiede. Dieser führte mancherlei dem Schmied
unbekanntes Werkzeug mit sich und sagte, er reise an den Hof eines
Königs, um dort neue Kunst auszuüben. Da nun der Schmied ihn fragte,
wozu all das seltsame Gerät nütze sei, erzählte ihm der Fremde von
einer neuen Art, Körner zu mahlen.
‚Eure Weiber‘, sprach er, ‚sind übel daran, denn sie haben viel Mühe,
jeden Tag genügend Getreide in ihren Handmühlen zu zerquetschen. Bei
uns zu Hause dagegen schütten die Leute das Korn einfach zwischen zwei
große, runde Steine, die sich schnell aufeinander drehen, nicht von
Menschenkraft getrieben, sondern von der Gewalt der Sturzbäche und
mittels eines Wasserrads. Das schafft anders, kann ich Euch sagen. Ein
Bauer braucht nur einige Tage, um für das ganze Jahr seinen Vorrat
von feinstem Mehl zu mahlen. Weise Männer aber wissen zu berichten,
diese neue Kunst stamme von dem mächtigen Gotte Wodan, auch Wode oder
Wanderer geheißen, der ein großer Zauberer ist und aller Kunst und
Weisheit Meister.‘
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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