Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Sobald der Schmied dies vernahm, erzählte er dem Fremden, wie er
kürzlich den Gott leibhaftig gesehen und seinen Schimmel beschlagen
habe, und zeigte zum Beweise das goldene Hufeisen vor. Da er nun aber
auch ein kluger und unternehmender Mann war, der gern aus allem Neuen,
wenn es gut war, Nutzen zog, so ward er mit dem Fremden handelseinig,
daß er ihm eine Mühle bauen solle, und zwar ganz nach der Art, wie
Wodan es die Menschen gelehrt habe. Zum Lohn dafür versprach er ihm des
Gottes Hufeisen.
Am andern Tage zogen die beiden den Bach entlang bergaufwärts, und der
Fremde hielt die Stelle, wo das Wasser ein so starkes Gefälle hat, für
die geeignetste zu seinem Werk. Die Mühle wurde alsobald gebaut und zu
Ehren des Gottes die Wodansmühle genannt.
Späterhin, als fremde Horden aus Osten in diese Gegend hereinbrachen
und die einzelgelegenen Bauernhöfe plünderten und verwüsteten, fanden
die Leute, daß es besser sei, sich zusammenzusiedeln und in Dörfern
beieinander zu wohnen, zu Schutz und Trutz und gegenseitiger Hilfe in
Kriegs- wie in Friedenszeiten.
Da ist denn ein Streit entstanden, ob sie sich um die Schmiede oder
um die Mühle anbauen sollten. Endlich ist ein alter, erfahrener Mann
aufgestanden, der war klüger als alle anderen miteinander und hat
gesagt: ‚Die Mühle brauchen wir nur einmal im Jahre, zu der Zeit, wo
unser Korn reif ist; aber die Schmiede brauchen wir alle Tage. Laßt uns
also das Dorf um die Schmiede bauen!‘
Und so ist es denn auch geschehen, und die Schmiede steht noch heute
mitten im Dorfe, wie es recht und billig ist.«
/Rudolf Vogel./
Der Lindenbaum.
Vor längerer Zeit hielt ich mich einige Jahre hindurch in einer
kleinen Stadt auf und war dort an einen alten Herrn empfohlen, der ein
Studiengenosse meines Vaters gewesen war. In dem Hause dieses Mannes
ging ich aus und ein und genoß dort viel Freundlichkeit.
Herr Doktor Lindow war ein stattlicher und jovialer Sechziger und ein
großer Natur- und Gartenfreund, der herrliche Blumen und köstliches
Obst zog, und sein Garten, der sich in glücklicher südlicher Lage in
Terrassen zu einem kleinen See hinabsenkte, war im Sommer und Herbst
ein wahres Füllhorn köstlicher Dinge.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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