Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises — John Shaqi
Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
German language -- Readers
Während das junge Mädchen, langsam alles betrachtend, durch den Garten
ging, wurde sie von einem ungefähr vierzehnjährigen Knaben umschwärmt,
der mit einem Bogen von Eschenholz leichte Rohrpfeile in die Luft schoß
und sich an ihrem hohen Fluge vergnügte. Durch einen Zufall stieg einer
dieser Pfeile bis zu mir empor und fiel neben mir nieder. Dadurch wurde
der Knabe meiner gewahr und machte seine Schwester auf mich aufmerksam.
Ich nahm meinen Hut ab und warf, indem ich grüßte, den Pfeil wieder
hinunter. Mein Schicksal und meine Anwesenheit auf der Festung waren in
der ganzen Stadt bekannt, und so mochten diese jungen Leute auch wohl
gleich wissen, wen sie vor sich hatten. Denn sie sprachen miteinander
und sahen zu mir empor, der Knabe unverhohlen und voll Neugier, das
Mädchen flüchtiger, aber, wie es mir schien, mit einem Ausdruck von
Mitleid in den schönen Zügen.
Da ich nun fortwährend mit Fluchtgedanken beschäftigt war und alles,
was mir passierte, mit diesen in Zusammenhang brachte, so fiel mir
auch jetzt sogleich ein, daß sich hier eine Gelegenheit biete, wieder
mit der Außenwelt in Verbindung zu treten. Wenn das schöne Mädchen mir
vielleicht auch nicht helfen konnte, so würde sie doch gewiß nicht
einen armen Gefangenen verraten, der sich vertrauensvoll in ihre Hand
gab. Aber ein Zweifel fing sofort an mich zu plagen, nämlich, ob ich
das Mädchen wiedersehen würde. Vielleicht war sie nur zu einem kurzen
Besuch in diesem Landhause und kam nie wieder. Aber dennoch arbeitete
ich im Geiste schon an einem ausführlichen Brief, in welchem ich
meine Lage und alles, was zu meiner Befreiung nötig war, gründlich
auseinandersetzte.
Als ich gegen Abend wieder in meine Zelle eingeschlossen wurde, schrieb
ich alles sorgfältig auf und setzte die Mittagsstunde von zwölf bis ein
Uhr zu einer Antwort von ihrer Seite fest. Um diese Zeit befanden sich
auf der Festung alle beim Essen, und ich wurde folglich am wenigsten
beobachtet. Auch pflegte sich dann die Schildwache in meiner Nähe einer
stillen, innerlichen Beschaulichkeit hinzugeben. Ihre Antwort sollte
das Mädchen auf ein Zettelchen schreiben, dieses mit ein wenig Wachs
oder Pech an einen Rohrpfeil kleben und durch ihren Bruder zu mir
hinaufschießen lassen.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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