Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Ährenlese: A German Reader with Practical Exercises
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Dieser Schmied hatte nämlich als junger Bursche einen sehr strengen
Vater und hielt Gottes Gebote treulich. Er machte große Reisen und
erlebte viele Abenteuer. Dabei war er in seinem Handwerk ungemein
tüchtig und geschickt. Unter anderm besaß er eine Salbe, welche jeden
Harnisch undurchdringlich machte, der damit bestrichen wurde. Im Heere
Kaiser Friedrichs des Rotbarts wurde er oberster Rüstmeister und
machte dessen Kriegszüge nach Italien und dem Morgenlande mit. Aber
nach des Kaisers Tode kehrte er mit großem Reichtum in die Heimat
zurück, wo er erst gute Tage, nachher aber auch böse erlebte und über
hundert Jahre alt wurde.
Nun saß Schmied Peter eines schönen Tages in seinem Garten unter einem
alten Birnbaum, da ritt ein graues Männlein auf einem Esel zu ihm
heran; das war sein Schutzgeist, der ihm schon viel Gutes erwiesen
hatte. Das Männlein herbergte daher auch bei dem Schmied und ließ
ihn seinen Esel beschlagen, was dieser gern tat, ohne Lohn dafür zu
fordern. Als die Arbeit fertig war, sagte das Männlein: »Nun darfst du
drei Wünsche tun, Peter; vergiß aber das Beste nicht!«
Da wünschte sich der Schmied folgendes: »Erstens, weil mir die Diebe
so oft meine Birnen stehlen, so soll fortan keiner, der auf den Baum
steigt, ohne meinen Willen wieder heruntersteigen können; und zweitens,
weil ich auch öfters in meiner Stube bestohlen worden bin, so soll
niemand ohne meinen Willen in die Stube kommen können, außer durchs
Schlüsselloch.«
Bei jedem dieser törichten Wünsche warnte das Männchen: »Peter, Peter,
vergiß ja das Beste nicht!« Da tat der Schmied den letzten Wunsch:
»Drittens, das Beste ist ein guter Schnaps; also wünsche ich, daß meine
Flasche niemals leer werde!«
»Deine Wünsche sind gewährt«, sprach das Männchen, strich im Weggehen
mit der Hand über einige Stangen Eisen, die in der Schmiede lagen,
setzte sich auf seinen Esel und ritt weiter.
Das Eisen war aber in blankes Silber verwandelt. Nun war der arme
Schmied wieder reich und lebte fort und fort bei guter Gesundheit, denn
der Trank in der Flasche war, ohne daß er es wußte, ein Lebenselixier.
Endlich klopfte der Tod an seine Tür, der ihn so lange verschont hatte.
Peter war scheinbar auch bereit, mit ihm zu gehen, bat ihn aber erst um
eine kleine Gunst. »Sei doch so gut,« sagte er zu dem Tod, »und hole
mir ein paar Birnen von dem Baum! Ich selber bin zu alt und schwach
hinaufzusteigen.«
Der Tod stieg auf den Baum, und der Schmied sprach: »Bleib oben!«, denn
er wollte gern noch länger leben. Der Tod fraß alle Birnen vom Baum,
dann mußte er fasten, und vor Hunger verzehrte er sich selbst mit Haut
und Haar. Daher kommt es auch, daß er jetzt nur noch ein scheußliches,
dürres Gerippe ist.
Auf Erden aber starb niemand mehr, weder Mensch noch Tier. Darüber
entstand viel Unheil, und endlich ging der Schmied zu dem dürren,
klappernden Tod und machte mit ihm aus, daß er ihn fortan in Ruhe
lassen solle. Dann ließ er ihn laufen.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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